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Sonntag, 11. Juni 2017

WIR SCHAFFEN DAS! Berichte vom Leben vor, auf und nach der Flucht.

Zuletzt geändert am 23. Oktober 2022
Das Blinklicht Media Lab sammelt und publiziert seit vielen Jahren autobiografische Skizzen. In der Hauptbücherei standen jetzt geflüchtete Menschen mit ihren Erzählungen im Scheinwerferlicht.
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Am Wort: Der Haus­herr der Haupt­bü­che­rei Wien, Stadt­rat Jür­gen Czernohorsky

Das Wie­ner Blink­licht Media Lab sam­melt und publi­ziert seit vie­len Jah­ren auto­bio­gra­fi­sche Skiz­zen von Män­nern und Frau­en, von Jun­gen und Alten, von Schü­le­rin­nen und Leh­rern, von Inlän­dern und Aus­län­dern, von Daheim­ge­blie­be­nen und von Weit­ge­reis­ten, von Freun­den und Bekann­ten, von Nach­barn und Frem­den. Ver­gan­ge­nen Don­ners­tag, am 8. Juni 2017, stan­den geflüch­te­te Men­schen mit ihren Erzäh­lun­gen im Zen­trum eines wun­der­ba­ren Abends in der Haupt­bü­che­rei Wien. 

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Am Wort: Moj­ta­ba Tava­ko­li, Stu­dent der Neurowissenschaften

Rechts­extre­me und Popu­lis­ten, dar­un­ter auch Poli­ti­ker der geschei­ter­ten Regie­rungs­ko­ali­ti­on, enga­gie­ren sich in der Insze­nie­rung einer „Flücht­lings­kri­se“. Sie machen ihrer Hei­mat beraub­te, geschwäch­te, ent­rech­te­te Men­schen zu Sün­den­bö­cken, anstatt die­se zu unter­stüt­zen und die Insti­tu­tio­nen unse­rer Demo­kra­tie zu stär­ken. Sehr vie­le Frau­en und Män­ner in die­sem Land zei­gen aber auch, dass es anders geht: sie infor­mie­ren sich, sie enga­gie­ren sich, sie set­zen sich für die­se nun in Öster­reich leben­den Men­schen ein. Auch ihnen will das Blink­licht Media Lab mit sei­ner Arbeit den Rücken stärken.

„Wenn man den Men­schen das Wort gibt, sie sicht­bar macht, hilft man ihnen in Wahr­heit dabei, sich zu mobi­li­sie­ren, der bestehen­den Ord­nung zu trot­zen und ihr Leben bes­ser zu füh­ren. Man ermäch­tigt sie auch, ihr Leben in einer sinn­stif­ten­den Erzäh­lung zusam­men­zu­fas­sen und sich so in eine kol­lek­ti­ve Geschich­te ein­zu­fü­gen“, schreibt der fran­zö­si­sche Sozi­al­his­to­ri­ker Pierre Rosan­vallon in sei­nem Mani­fest „Das Par­la­ment der Unsichtbaren“. 

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Zuhö­ren: „Ein ein­zi­ger Mensch, den man wirk­lich anhört, bringt einen auf voll­kom­men neue Gedanken.“

Genau das tun wir im Blink­licht Media Lab seit 2011, etwa im Rah­men unse­res Pro­jekts WIR. BERICH­TE AUS DEM NEU­EN OE. Mit der Unter­stüt­zung von sehr vie­len Leh­re­rin­nen und Leh­rern haben wir im gan­zen Land bis­her an die 3.000 auto­bio­gra­fi­sche Berich­te von Jugend­li­chen gesam­melt. Ein guter Teil davon wur­de in bis­lang neun Bän­den der edi­ti­on IMPORT/EXPORT publi­ziert. Zur­zeit sind zwei wei­te­re Bän­de in Arbeit – mit „Berich­ten aus Stadt und Land Salz­burg“ sowie mit „Berich­ten aus Favo­ri­ten“. Selbst­ver­ständ­lich sind all die­se Bücher heu­te in den wich­tigs­ten Biblio­the­ken des Lan­des prä­sent: in der Haupt­bü­che­rei Wien sowie in den Fili­al­bü­che­rei­en in der gan­zen Stadt, in der Natio­nal­bi­blio­thek, in der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek sowie in der Wien­bi­blio­thek im Rat­haus. Denn genau dar­um geht es: ganz gewöhn­li­ches Leben, ganz all­täg­li­che Lebens­er­fah­run­gen, etwa Lebens­be­rich­te von Men­schen, die sowohl im Poli­tik­be­trieb als auch ganz gene­rell in der Öffent­lich­keit kaum vor­kom­men, in das kul­tu­rel­le Gedächt­nis, in das kol­lek­ti­ve Bewusst­sein des Lan­des einzuschreiben. 

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Im Gespräch: Far­za­neh Vahed­mon­fared mit Ernst Schmiederer

“Es unter­gräbt die Demo­kra­tie, wenn die vie­len lei­sen Stim­men unge­hört blei­ben, die ganz gewöhn­li­chen Exis­ten­zen ver­nach­läs­sigt und die schein­bar bana­len Lebens­läu­fe miss­ach­tet wer­den, wenn es kei­ne Aner­ken­nung für jene Initia­ti­ven gibt, die abseits des Schein­wer­fer­lichts statt­fin­den“, schreibt Rosan­vallon in sei­nem Mani­fest – und ent­wirft damit einen gang­ba­ren Weg: lei­se Stim­men lau­ter machen, Schein­wer­fer­licht für Insti­tu­tio­nen wie das Jugend­col­lege der Stadt Wien, das con­nect-Pro­gramm der Kin­der­freun­de oder das Haus Lieb­hart­s­tal, in dem der Arbei­ter-Sama­ri­ter-Bund seit zwei Jah­ren 60 unbe­glei­te­te min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge betreut.

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Am Wort: Faiz Rasu­li (Schau­spie­ler), Lau­ra Scho­ch (Kin­der­freun­de con­nect), Chris­ti­ne Okre­sek (Haus Lieb­hart­s­tal)

In die­sem Sin­ne bedan­ken wir uns herz­lich bei einem wun­der­ba­ren Publi­kum – stell­ver­tre­tend für alle sei hier unser aus Syri­en stam­men­der Freund Jamal Rajeh genannt, der mit sei­ner Fami­lie am Vor­abend sei­nes Geburts­tags zu uns gekom­men ist – sowie bei all jenen Freun­den und Freun­din­nen, die das Schein­wer­fer­licht nicht gescheut haben. Also etwa bei Ines Hof­bau­er und ihren Schü­lern aus dem Jugendcollege:

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Auf der Büh­ne: Said Abbas Huss­ei­ni, Said Azi­zul­lah Shahi­di, Moham­mad Hamid Bar­ek­zayi aus dem Jugendcollege

Wir bedan­ken uns bei Petra Boog­man und Mag­da­le­na Lei­ker­mo­ser aus BHAK 22 der Wie­ner Pol­gar­stra­ße, die nun schon im zwei­ten Jahr eine wun­der­ba­re „Brü­cken­klas­se“ unter­rich­ten. Bei Miri­am Vico­van, die uns in ihrer Geschich­te von der Flucht ihrer Fami­lie erzählt hat. Bei Far­za­neh Vahed­mon­fared, die Tex­te des Flucht­hel­fers Götz Schra­ge vor­ge­tra­gen hat. Bei Susan­ne Scholl und Ehsan Bato­ri, die über Afgha­ni­stan, das Schub­haf­t­un­we­sen und die beson­ders bedroh­te Volks­grup­pe der Haza­ra gespro­chen haben. 

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Im Gespräch: Susan­ne Scholl mit Ehsan Batori

Und bei Harald Krass­nit­zer, der Mazen Dak­wars Geschich­te erzählt hat. Bei Lau­ra Scho­ch, Chris­ti­ne Okre­sek und bei Faiz Rasu­li, der für Ana­hi­ta Tas­ha­ro­fis Ver­ein Flucht nach Vorn ein­ge­sprun­gen ist. Bei Moj­ta­ba Tava­ko­li, der heu­te 23 Jah­re alt ist und erzählt hat, wie er die Welt als 14jähriger gese­hen hat. Bei Kha­led Al-Ass, der mit sei­ner Fami­lie über das Mit­tel­meer geflüch­tet ist und an die­sem Abend mit einer Rie­sen­schüs­sel Tabou­leh und sei­nen bei­den Beglei­te­rin­nen Nan­cy Lee Akin­ci Sey­mann und Hei­di Bau­er aus dem Wein­vier­tel zu uns gekom­men ist. Bei Kar­wan Zan­di, der mit Dat­teln, Humus, Tsa­zi­ki, Melan­za­ni, Börek und Fal­a­fel in die Haupt­bü­che­rei gekom­men ist. Und schließ­lich bei Masad Tha­ni, der uns auf Ver­mitt­lung von sei­nem Leh­rer Mar­wan Aba­do mit der Oud beglei­tet hat: herz­li­chen Dank an bei­de Herren!

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An der Oud: Masad Thani

Dass wir ein­mal mehr in der Haupt­bü­che­rei zu Gast sein durf­ten, freut uns natür­lich beson­ders – Dank an Chris­ti­an Jahl und Wer­ner Kant­ner und ihr Team. Schließ­lich freu­en wir uns, dass Gian­ma­ria Gava foto­gra­fiert hat (sie­he oben) und Manu­el Stein­böck mit sei­nen Schü­lern den Abend im Video fest­ge­hal­ten hat (dazu dem­nächst mehr an die­ser Stel­le). In die­sem Sin­ne: WIR SCHAF­FEN DAS!

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