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Freitag, 09. November 2018

WIR. HIER UND JETZT.

Zuletzt geändert am 23. Oktober 2022
Mehr als 400 Berichte von geflüchteten Menschen enthalten die beiden jüngsten Bände der BERICHTE AUS DEM NEUEN OE. Jeden dieser Berichte hat ein einzelner Mensch geschrieben. Mit einem Stift in einem Heft notiert. Jeder Text steht für einen Menschen. Jeder Mensch hat seine Geschichte.

Die Welt gehört nicht irgend­ei­ner Orga­ni­sa­ti­on. Sie gehört nicht einem Kon­zern, nicht irgend­ei­ner Fir­ma. Und sie gehört auch nicht irgend­ei­ner selbst­er­nann­ten Eli­te. Die Welt gehört uns allen. Jeder Mensch hat das Recht sich aus­zu­su­chen, wo er leben will. Jeder Mensch, der Euro­pä­er sein will, darf Euro­pä­er sein. Es geht nicht zuerst dar­um, wo jemand her­kommt. Wesent­lich ist ein­zig und allein, dass er oder sie im Moment hier ist. WIR alle, die WIR JETZT HIER sind, gestal­ten unse­re gemein­sa­me Gegen­wart und Zukunft. Dar­um geht es in die­sen Büchern.

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Wir bit­ten Men­schen, uns zu erzäh­len, wer sie sind. Zu berich­ten, wie sie leben. Es gibt viel zu vie­le Men­schen in unse­rer Gesell­schaft, die im Schat­ten ste­hen, die unsicht­bar sind oder unsicht­bar gemacht wer­den. Dage­gen müs­sen wir etwas tun. Wir müs­sen uns sicht­bar machen. Demo­kra­tie ist mehr als ein­mal alle vier Jah­re wäh­len gehen. Demo­kra­tie bedeu­tet auch, Auf­merk­sam­keit für alle. Eine demo­kra­ti­sche Gesell­schaft besteht aus Indi­vi­du­en, die auch in ihrer Wür­de gleich­be­rech­tigt sind. Sonst wür­de der berühm­te Satz aus der Men­schen­rechts­er­klä­rung – alle Men­schen sind frei und gleich an Wür­de und Rech­ten gebo­ren – kei­nen Sinn machen. 

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Des­halb haben wir vor ein paar Jah­ren begon­nen, sol­che auto­bio­gra­fi­schen Berich­te in Büchern zu ver­öf­fent­li­chen. Mitt­ler­wei­le gibt es davon 14 Bän­de. Soeben (in der edi­ti­on IMPORT/EXPORT) erschie­nen sind die bei­den Bän­de WIR. HIER UND JETZT. GEFLÜCH­TE­TE MEN­SCHEN BERICH­TEN. Die Bil­der – herz­li­chen Dank ein­mal mehr an Mar­co Büchl – sind bei der Prä­sen­ta­ti­on im Wie­ner Radio­kul­tur­haus (7. Novem­ber 2018) entstanden.

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War­um wir die­se Geschich­ten auf­schrei­ben las­sen, war­um wir sie sam­meln, war­um wir sie drucken?

Dazu ein Zitat von Pierre Rosan­vallon, einem Sozi­al­his­to­ri­ker und Demo­kra­tie­theo­re­ti­ker, des­sen PAR­LA­MENT DER UNSICHT­BA­REN ins Deut­sche über­setzt in der edi­ti­on IMPORT/EXPORT publi­ziert wur­de. Rosan­vallon schreibt:

„Man kann tat­säch­lich nie­man­dem ver­trau­en, der völ­lig fremd ist und von dem man gar nichts weiß. Man kann nichts mit jenen gemein­sam auf­bau­en, die einem gänz­lich unbe­kannt sind.“ 

„Lan­ge Zeit hat eine gewis­se kul­tu­rel­le Homo­ge­ni­tät de fac­to also Ersatz für die­ses Bedürf­nis nach ech­ten Kennt­nis­sen gedient. In einer viel­fäl­ti­ge­ren Gesell­schaft, in der die Lebens­um­stän­de und die Situa­tio­nen dyna­mi­scher gewor­den sind, hat die Infor­ma­ti­on über die ande­ren die Auf­ga­be, die Abstän­de sowohl in den Köp­fen als auch in der Pra­xis zu verringern.“ 

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„Wenn die Wirk­lich­kei­ten ver­schlei­ert sind und die Leben im Dun­keln gelas­sen wer­den, beherr­schen tat­säch­lich Vor­ur­tei­le und Phan­tas­men die Vor­stel­lungs­kraft. Das wie­der­um nährt auch Arg­wohn und Ängste.“

„Es geht dar­um, die gesam­te Gesell­schaft aus ihrer Unsicht­bar­keit zu holen und Kennt­nis­se zu schaf­fen, die ihre Mit­glie­der ein­an­der näher­brin­gen. (…) Die Demo­kra­tie kann nicht leben, wenn Män­ner und Frau­en kei­ne Gesell­schaft bil­den. Die Kennt­nis der ande­ren ist die Basis die­ses Unterfangens.“

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