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Montag, 21. Mai 2007

Zaren-Qualität für Europa

Martin Hoos
Der 44jährige Martin Hoos verarbeitet russischen Zander und exportiert die tiefgekühlten Filets in die Europäische Union, in die Schweiz und nach Kanada.


Mein Bru­der Klaus ist Flie­sen­le­ger­meis­ter. Ich bin Flei­scher­meis­ter. Wir haben einen Land­wirt­schafs­be­trieb und eine klei­ne Fleisch­haue­rei geerbt. Als sich die Gele­gen­heit ergab, Fleisch­wa­ren nach Russ­land zu expor­tie­ren, haben wir dort gleich nach wei­te­ren Geschäfts­mög­lich­kei­ten gesucht. So sind wir auf den Zan­der gekom­men: Das Pro­dukt schien Zukunft zu haben, und wir rech­ne­ten mit guten Pro­fit­chan­cen. Das Geschäft mit dem Fleisch war außer­dem schwie­ri­ger gewor­den, auch durch Öster­reichs EU-Bei­tritt. Also haben wir uns im Früh­jahr 1994 für den Fisch ent­schie­den, eine Hal­le in St. Peters­burg ange­mie­tet, Maschi­nen hin­ge­schafft und Zan­der gekauft. Heu­te ist unser Betrieb „Zaren-Qua­li­ty“ euro­pa­weit der größ­te Zan­der-Expor­teur. Die tief­ge­kühl­ten Filets lie­fern wir aus­schließ­lich an Groß­han­del und Gastronomie.
Klaus und ich arbei­ten seit 13 Jah­ren im Schicht­be­trieb. Mon­tag früh flie­ge ich von Linz über Wien nach St. Peters­burg und arbei­te dort bis Frei­tag der nächs­ten Woche. Dann fliegt mein Bru­der für zwölf Tage rüber. Im Jän­ner machen wir einen Plan für das gan­ze Jahr, buchen die Tickets und dann wech­seln wir uns ab. Das funk­tio­niert bes­tens. Außer­dem tut die Abwechs­lung dem Fami­li­en­le­ben gut. Vom Leben in der Stadt kriegt man dabei natür­lich nicht viel mit. Manch­mal gehe ich Sushi-Essen, das ist rich­tig gut hier. Ansons­ten ver­trei­be ich mir die Zeit mit Arbeit, in der Sai­son von sechs Uhr früh bis elf Uhr abends.
Unser Betrieb steht am Stadt­rand von St. Peters­burg. Wir haben eine Woh­nung direkt über dem Büro, ver­lie­ren also kei­ne Zeit und kön­nen mit­tags schnell in unse­rer eige­nen Küche essen. Min­des­tens drei Mal die Woche bra­te ich mir einen von unse­ren Fischen, ganz ein­fach mit Knob­lau und Kar­tof­feln. Den Zan­der holen wir aus den rus­si­schen Bin­nen­seen und aus dem Brack­was­ser im Del­ta des Kas­pi­schen Mee­res. In einem Umkreis von 6000 Kilo­me­tern, bis hin­über zur chi­ne­si­schen Gren­ze sam­meln wir ihn ein, aus­schließ­lich Wild­fang. Von Novo­si­birsk fährt der Fisch gefro­ren im LKW eine Woche bis zu unse­rer Fabrik. Nach der Ver­ar­bei­tung schaf­fen wir ihn in unser deut­sches Logistikzentrum.
Wir schau­en natür­lich, dass das Geschäft wei­ter­wächst. Des­halb haben wir ein Tief­kühl­haus bei St. Peters­burg errich­tet. Rund sechs Mil­lio­nen Euro haben wir bis­her inves­tiert. Jetzt wol­len wir noch mal soviel in das Geschäft ste­cken. Da war­tet also noch Arbeit auf uns: Bis ich 62 bin, wer­de ich wohl wei­ter­pen­deln. Dann gehe ich in Pension.

auf­ge­zeich­net von ES; ver­öf­fent­licht in: Die Zeit, Nr. 21/2007
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