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Donnerstag, 02. April 2009

Spanisch, wenn es um die Liebe geht

Zwetelina Damjanova
Die 29jährige Lyrikerin Zwetelina Damjanova unterstützt Migranten bei der Integration in die Wiener Wirtschaft.


Ich bin 1987 als Acht­jäh­ri­ge mit mei­ner Fami­lie nach Wien gekom­men. Mein Vater hat als Jour­na­list für Sophia­press gear­bei­tet, mei­ne Mut­ter spä­ter an der Wirt­schafts­uni­ver­si­tät unter­rich­tet. Weil sie ihre Jugend­jah­re in Kuba ver­bracht hat­te, gehör­te die spa­ni­sche Spra­che so selbst­ver­ständ­lich zu unse­rem Leben wie die deut­sche und die bul­ga­ri­sche. Ich habe früh zu schrei­ben begon­nen, ein­fach weil mir Spra­che wich­tig war. Erst im Lauf der Jah­re hat das eine Struk­tur bekom­men. Spä­ter stu­dier­te ich Roma­nis­tik und erar­bei­te­te mir als Lin­gu­is­tin eine Innen­sicht der Spra­che. Deutsch beherr­sche ich am bes­ten. Vor dem Bul­ga­ri­schen hat­te ich lan­ge Zeit zu gro­ße Ehr­furcht. Da ich fürch­te­te, dass ich das zum Dich­ten nöti­ge Niveau nicht errei­chen wür­de, wag­te ich nicht, bul­ga­ri­sche Poe­sie zu schreiben.
Inzwi­schen habe ich für jeden Bereich mei­ne eige­ne Spra­che. Über Din­ge, die aus mei­ner bul­ga­ri­schen Welt kom­men, schrei­be ich auf Bul­ga­risch: Erin­ne­run­gen an mei­ne Groß­mutter, der Geruch von Toma­ten. Lie­be und Ero­tik sind für mich mit der spa­ni­schen Spra­che ver­bun­den, schon des­halb, weil mein Mann Spa­ni­er ist. Zuletzt habe ich an einem gro­ßen drei­spra­chi­gen Gedicht gear­bei­tet: Jede Stro­phe ist in einer ande­ren Spra­che ver­fasst, die Über­set­zung in die ande­ren Spra­chen steht jeweils daneben.
Mei­ne Lie­be zu den Spra­chen ist gren­zen­los. In mei­nen Ohren klin­gen sie alle schön. Das Por­tu­gi­si­sche etwa – eine wun­der­ba­re Mischung aus einer sla­wi­schen Aus­spra­che, dunk­len Voka­len und vie­len Zisch­lau­ten – hat mich so ange­zo­gen, dass ich es auch stu­diert habe.
Der­zeit ver­le­ge ich mei­ne lite­ra­ri­schen Ambi­tio­nen in die Nacht­stun­den, weil ich haupt­be­ruf­lich den Ver­ein „Wirt­schaft für Inte­gra­ti­on“ füh­re. Wir wol­len Migran­ten bei der Inte­gra­ti­on in die Öko­no­mie der Stadt unter­stüt­zen. Es gibt vie­le Men­schen in Wien, die eine gute Aus­bil­dung aus ihren Her­kunfts­län­dern mit­ge­bracht haben, die­se aber wegen man­geln­der Sprach­kennt­nis­se oder Kom­pli­ka­tio­nen bei der Aner­ken­nung von Zeug­nis­sen nicht nüt­zen kön­nen. Es ist nicht nur tra­gisch, son­dern auch unwirt­schaft­lich, wenn man die Poten­tia­le von Men­schen mit Berufs­ab­schlüs­sen ver­geu­det, in dem man sie in Haus­flu­ren Pro­spek­te ver­tei­len lässt.
Män­ner mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund haben es beson­ders schwer, eine lega­le Beschäf­ti­gung zu fin­den. Frau­en bringt man meist einen Ver­trau­ens­vor­schuss ent­ge­gen, so dass sie Kin­der betreu­en oder Kran­ke pfle­gen dür­fen. Einem erwach­se­nen Mann ste­hen sol­che Jobs nicht offen. Umso wich­ti­ger ist es, dass wir uns bemü­hen, sol­che Men­schen in das Wirt­schafts­le­ben zu integrieren.

auf­ge­zeich­net von ES; ver­öf­fent­licht in: Die Zeit, Nr. 15/2009
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