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Dienstag, 16. September 2008

Schöner leben in LaLa-Land

Katrin Klausecker
Die Marketingexpertin Katrin Klausecker, 36, füllt die Konferenzen der Economist Intelligence Unit mit Teilnehmern.


Wäh­rend mei­nes Stu­di­ums war ich zum ers­ten Mal in Asi­en, sechs Wochen Indi­en mit dem Ruck­sack. Das war Lie­be auf den ers­ten Blick. Seit­her fas­zi­niert mich der Kon­ti­nent wie kein ande­rer. Ich habe eini­ge Jah­re in New York gelebt und auch dort schon für die Eco­ni­mist Intel­li­gence Unit gear­bei­tet. Als ich eines Tages gefragt wur­de, ob ich für das Unter­neh­men nach Hong Kong wech­seln wür­de, gab es kein Hal­ten mehr. Jetzt lebe ich seit drei Jah­ren hier und habe bereits Malay­sia, Tai­wan, Indo­ne­si­en, Chi­na, Sin­ga­pur, Laos, Kam­bo­dscha, Viet­nam, Indi­en, Japan und die Phil­ip­pi­nen sowohl beruf­lich als auch pri­vat bereist.
Wenn ich im Büro bin, ver­brin­ge ich mei­nen Arbeits­tag in inter­nen Pro­jekt­mee­tings und con­fe­rence calls mit Kun­den. Unse­re „Intel­li­gence Unit“ ist eine Schwes­ter des bri­ti­schen Wir­schafts­ma­ga­zins Eco­no­mist und ver­sorgt Poli­ti­ker und Wirt­schafts­trei­ben­de in 200 Län­dern mit Infor­ma­tio­nen. Ich bin dafür zustän­dig, dass wir unse­re Pro­duk­te – Kon­fe­ren­zen, Govern­ment Round­ta­bles, Ana­ly­sen – in Asi­en gut ver­kau­fen. Das ist ein Job, der mich zehn Stun­den am Tag in Anspruch nimmt. Der Rest der Zeit gehört mir.
Ich lebe auf der Insel Lan­tau in DB, wie das hier jeder nennt: Dis­co­very Bay ist ein klei­ner Ort mit ein paar Restau­rants, einer Bank, einem Fri­seur, einem Pub und einem Super­markt. Statt Autos gibt es Golf­carts. Und auch sonst ist alles eher unasia­tisch, wie in einem Resort, LaLa-Land. Dis­co­very Bay wird auch Deli­very Bay genannt, weil hier vie­le schwan­ge­re Frau­en auf der Stra­ße zu sehen sind, deren Ehe­män­ner als expats für euro­päi­sche, aus­tra­li­sche oder ame­ri­ka­ni­sche Fir­men in Hong­kong arbei­ten. Da es für die Ehe­frau­en meist sehr schwer ist, einen pas­sen­den Job zu fin­den, nut­zen man­che die­se Jah­re eben, um Kin­der zu bekommen.
Mich hat es nach DB gezo­gen, weil die Mie­ten eher nied­rig sind. Hier kann ich mir eine son­nen­durch­flu­te­te Woh­nung leis­ten, die sich auf fünf Stock­wer­ke erstreckt: auf vier Eta­gen jeweils ein Zim­mer und oben drauf eine Ter­as­se. Ich bli­cke aufs Meer und sehe auf der ande­ren Sei­te der Bucht die Flug­zeu­ge im Lan­de­an­flug. Abends um neun gibt es immer ein Feu­er­werk, das im nahe­ge­le­ge­nen Dis­ney­land abge­schos­sen wird. Mor­gens weckt mich das Lär­men der Kaka­durs. Das ein­zi­ge Pro­blem ist die Luft­feuch­tig­keit. Ich muss die Kli­ma­an­la­ge rund um die Uhr lau­fen las­sen, weil sonst mei­ne Bücher ver­schim­meln würden.
Am Anfang schien es mir immer ein biss­chen selt­sam, in einer asia­ti­schen Stadt west­li­che Restau­rants zu besu­chen. Aber Hong Kong ist voll wun­der­ba­rer Loka­le. Ita­lie­ner, Inder, Viet­na­me­sen. Beson­ders ger­ne habe ich ein fran­zö­si­sches Bis­tro „The Press Room“, das mich an ein ähn­li­ches Lokal in New York erinnert.

auf­ge­zeich­net von ES; ver­öf­fent­licht in: Die Zeit, Nr. 38/2008
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