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Sonntag, 02. September 2007

Ein Mann, ein Werk

Richard Estarriol
Vor 49 Jahren vom Opus Dei nach Wien entsandt, wirkt Richard Estarriol bis heute auch als Öffentlichkeitsarbeiter der Personalprälatur.


Von Berufs wegen bin ich Jour­na­list. Seit 1964 habe ich für die spa­ni­sche Tages­zei­tung La Van­guar­dia über Ost­eu­ro­pa berich­tet. Als Kata­la­ne füh­re ich peni­bel Buch: In 40 Jah­ren habe ich 530 Rei­sen mit einer Gesamt­dau­er von 3.095 Tagen unter­nom­men. Ich war in Sum­me also neun Jah­re lang auf Ach­se. Seit fünf Jah­ren bin ich pen­sio­niert. Gele­gent­lich, wie jetzt beim Besuch des Hei­li­gen Vaters, schrei­be ich aber noch für La Van­guar­dia. Die Kol­le­gin, die aus Rom berich­tet, bekommt gera­de ein Kind. Da kann ich mich also nütz­lich machen. Ich wer­de mich nach Schwe­chat zum Flug­ha­fen bege­ben, um den Papst bei der Ankunft zu sehen. Die jun­gen Kol­le­gen heu­te glau­ben, das kön­ne man auch am Bild­schirm beob­ach­ten. Ich aber will ihn erle­ben. Anschlie­ßend wer­de ich nach Maria Zell fah­ren. Und soll­te es ein Pres­se­tref­fen mit Bene­dikt XVI. geben, wer­de ich sei­nen Ring küssen.
In der Haupt­sa­che wid­me ich mich heu­te dem Opus Dei, dem „Werk Got­tes“. Als Öffent­lich­keits­ar­bei­ter ste­he ich mit Rat bereit, wann immer ich dar­um gebe­ten wer­de. Zuletzt habe ich die Aus­stel­lung „Christ­sein im All­tag“ in der Rek­to­rats­kir­che am Wie­ner Peters­platz kura­tiert. Ich bin Nume­rari­er, lebe also ehe­los und wid­me auch jene Zeit dem Werk, die Ver­hei­ra­te­te mit ihrer Fami­lie ver­brin­gen. Das Werk ist mei­ne Fami­lie. Was wir eigent­lich tun? Ganz ein­fach: Wo immer wir sind, ver­su­chen wir den Bezug zu Gott her­zu­stel­len. Unse­re Spe­zia­li­tät ist Gott im All­tag – ob im Urlaub, beim Sport, im Geschäfts­le­ben oder in der Fami­lie. Mein Bru­der und ein Cou­sin, aber auch eini­ge Jour­na­lis­ten­kol­le­gen haben auf die­sem Weg den Zugang zum Opus Die gefun­den. Wir alle haben erfah­ren, dass man Chris­tus über­all dort begeg­nen kann, wo gear­bei­tet wird.
Dem Opus Dei bei­getre­ten bin ich mit 16 Jah­ren. Fünf Jah­re spä­ter, als ich mei­nen Mili­tär­dienst ableis­te­te, erreich­te mich ein Schrei­ben, in dem der Hei­li­ge Josef­ma­ria fra­gen ließ, ob ich bereit wäre, nach Wien zu gehen. Ich such­te ein Archiv auf, um etwas über Öster­reich zu erfah­ren. Und so lern­te ich, dass dort ein Mann mit dem eigen­ar­ti­gen Namen Figl das Sagen hatte.
Josef­ma­ria Escri­vá, der das Opus Dei 1928 gegrün­det hat, um den Ruf zur Hei­lig­keit zu ver­brei­ten, woll­te uns in fer­ne Län­der sen­den, um das „Werk Got­tes“ auch dort ein­zu­pflan­zen. Wir – etwa 20 jun­ge Aka­de­mi­ker – durf­ten elf Tage lang mit dem Hei­li­gen Josef­ma­ria in Rom ver­brin­gen. Er lehr­te, dass wir auf unse­ren Wegen mit den ande­ren gleich wer­den soll­ten. Dass wir sein soll­ten, wie das Salz, das eine Spei­se schmack­haft macht, sich aber selbst auf­löst. Als ich dann bei der Ankunft am Wie­ner Süd­bahn­hof nach mei­nem Namen gefragt wur­de, wur­de ich vom Ricar­do zum Richard. Das war mein ers­ter Bei­trag. Heu­te, fast 50 Jah­re spä­ter, leben rund 350 Mit­glie­der des Opus Dei in Öster­reich. Und ich bin der dienst­äl­tes­te Laie unter ihnen.

auf­ge­zeich­net von ES; ver­öf­fent­licht in: Die Zeit, Nr. 36/2007
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