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Dienstag, 05. Januar 2021

Das versteht niemand

Zuletzt geändert am 23. Oktober 2022

Offe­ner Brief von matteo an Minis­ter­prä­si­dent Armin Laschet und die Medi­en zur geplan­ten Afgha­ni­stan-Abschie­bung am 12.01.2021 vom Flug­ha­fen Düsseldorf.

Sehr geehr­ter Herr Minis­ter­prä­si­dent Laschet,


zu Beginn des Neu­en Jah­res 2021, mit­ten im Lock­down mit unver­än­dert hohen Infek­ti­ons- und Todes­zah­len in NRW und ganz Deutsch­land hören wir, dass die Bun­des­re­gie­rung, dies­mal offen­bar mit der Unter­stüt­zung Ihres Innen­mi­nis­ters, erneut ver­sucht, eine Abschie­bung nach Afgha­ni­stan zu orga­ni­sie­ren. Der Flug soll am 12.01.2021 von Düs­sel­dorf gehen. Wir wis­sen, dass zumin­dest Bay­ern und Sach­sen dies­mal wie­der vor allem unbe­schol­te­ne und gut inte­grier­te Men­schen in Krieg und Elend abschie­ben möch­ten. Alle, ehren­amt­li­che Inte­gra­ti­ons­hel­fe­rin­nen und Hel­fer genau­so wie Leh­re­rin­nen und Leh­rer, Kir­chen und Ver­ei­ne sind fas­sungs­los, dass ihre jah­re­lan­ge Beglei­tung der­art kon­ter­ka­riert und bei den Abschie­bun­gen, ins­be­son­de­re aus Bay­ern, gegen jede Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ver­fah­ren wird.

Nach einer lan­gen Unter­bre­chung der Abschie­bun­gen auf Wunsch der afgha­ni­schen Regie­rung, ist es im Dezem­ber von Leip­zig aus wie­der los­ge­gan­gen, im letz­ten Flug traf es „nur“ Straf­tä­ter. Die afgha­ni­sche Regie­rung, die die Kri­se nicht mehr im Griff hat und unter gro­ßem poli­ti­schen und mili­tä­ri­schen Pro­ble­men lei­det, wur­de aus Deutsch­land unter Druck gesetzt, der Wie­der­auf­nah­me zuzu­stim­men. Offen­bar wur­de die Zusa­ge von Unter­stüt­zung euro­päi­scher Geber­län­der in Genf damit ver­bun­den, die­se Abschie­bun­gen in das der­zeit gefähr­lichs­te Land der Welt zuzu­las­sen trotz der welt­wei­ten Pan­de­mie und ihrer Auswirkungen.

Sehr geehr­ter Herr Minis­ter­prä­si­dent , Sie haben sich seit einem Jahr einen guten Namen gemacht mit einem beson­ne­nen, aber auch tat­kräf­ti­gen Umgang mit der Kri­se, die unse­re Gesund­heit, unse­re Wirt­schaft und unser Zusam­men­le­ben bedroht. Gera­de sind Sie dabei, aus guten Grün­den mit Ihren Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, eine Ver­län­ge­rung der schwe­ren Restrik­tio­nen, Rei­se­ver­bo­te und Kon­takt­sper­ren zu planen.

Gleich­zei­tig aber, mit­ten in der unbe­wäl­tig­ten Kri­se wol­len Sie zulas­sen, dass die trei­ben­den Innen­mi­nis­tern in Ber­lin und Mün­chen mit der Unter­stüt­zung Ihrer Regie­rung in der kom­men­den Woche einen bei­spiel­lo­sen Abschie­be­me­cha­nis­mus in Gang set­zen, mit Trans­fers nach Düs­sel­dorf quer durch Deutsch­land, Coro­na- Tests, Ein­satz von medi­zi­ni­schem Per­so­nal und Groß­auf­ge­bo­ten von Bundespolizei.


2021 steht unter der bibli­schen Losung der Barm­her­zig­keit. Zu Beginn des Jah­res der Barm­her­zig­keit wür­den Sie so maß­geb­lich die­se Abschie­bung unter­stüt­zen, dies­mal auch von gut inte­grier­ten und unbe­schol­te­ne Men­schen in Gefahr und Elend.

Wir alle sol­len aus guten Grün­den zuhau­se blei­ben und unnö­ti­ge Rei­sen ver­mei­den. Unse­re Hotels und Gast­stät­ten sind geschlos­sen, gro­ße Tei­le der Wirt­schaft lie­gen am Boden. Der Staat kommt an den Rand sei­ner finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten. Täg­lich sehen wir die Appel­le von Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel und Ihnen, vor­sich­tig, behut­sam, ver­nünf­tig und auch spar­sam zu sein.


Ein Abschie­be­flug nach Afgha­ni­stan kos­tet schon ohne Coro­na-Bedin­gun­gen weit über € 300.000. Zusätz­lich gibt es enor­me Kos­ten für Per­so­nal, Poli­zis­ten und Ärz­te. Gleich­zei­tig kämp­fen klei­ne Restau­rants, Fami­li­en­ho­tels und kul­tu­rel­le Ein­rich­tun­gen in Deutsch­land und NRW um Geld und Überleben.


Das geht nicht zusam­men, und das ver­steht niemand.


Machen Sie Ihren Ein­fluss gel­tend, die­se Flü­ge abzu­sa­gen. Sie pas­sen nicht in die Zeit, sie pas­sen nicht zu Ihrer Poli­tik und Sie pas­sen nicht zu Ihnen, der als auf­rech­ter und glaub­wür­di­ger Christ spricht und handelt.


Nach der Pan­de­mie kön­nen wir klu­ge Kon­zep­te ent­wer­fen, wie man Rück­kehr in wirk­lich siche­re Län­der mensch­li­cher gestal­ten kann.
Herz­li­che Grü­ße, ver­bun­den mit guten Wün­schen für ein geseg­ne­tes, erfolg­rei­ches und barm­her­zi­ges Neu­es Jahr.


Ste­phan T. Reichel

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