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Montag, 21. Januar 2013

Im Wilden Osten

Markus Danninger
Der 35jährige Investment Manager Markus Danninger übernahm die Hauptrolle in einem chinesischen Western.


Vor drei Jah­ren über­sie­del­ten wir zu dritt nach Chi­na. Mei­ne Frau Julia, Sino­lo­gin und Asi­en-Fan, war sofort begeis­tert und unter­rich­tet heu­te an einer Yoga-Schu­le. Unser Sohn Emil, damals zwei Jah­re alt, kam gleich in den chi­ne­sisch-eng­li­schen Kin­der­gar­ten. Nach weni­gen Wochen konn­te er sich ver­stän­di­gen, heu­te klingt sein Chi­ne­sisch wie das eines Pekin­ger Buben. Drei Mona­te nach unse­rer Ankunft kam Toch­ter Gre­ta zur Welt. Sie ist heu­te eine klei­ne Chi­ne­sin. Bei­de Kin­der beneh­men sich nöti­gen­falls wie Ein­hei­mi­sche und schlür­fen ihre Sup­pe über­zeu­gend. Emil isst im Restau­rant unauf­ge­for­dert gekoch­ten Hüh­ner­kamm mit Stäb­chen. Ich selbst habe inzwi­schen durch den Ein­fluss mei­ner Kol­le­gen bei Zhong Yi, dem loka­len Joint Ven­ture der Gene­ra­li Ver­si­che­rungs­grup­pe, eini­ge loka­le Ange­wohn­hei­ten über­nom­men: im Büro trin­ke ich per­ma­nent grü­nen Tee, in mei­nen Ant­wor­ten lege ich mich nicht fest und lei­te sie häu­fig mit einem Viel­leicht ein.
Beson­ders gut gefällt mir in Peking, dass es über­all loka­le Vier­tel mit authen­ti­schen Märk­ten gibt. Weni­ge Geh­mi­nu­ten von unse­rer Woh­nung ent­fernt kann man von Stra­ßen­händ­lern leben­de Frö­sche und Hüh­ner kau­fen. Zugleich ist die­se unfass­bar dyna­mi­sche Stadt modern genug, um ein gutes Leben zu ermög­li­chen. Die­se Gegen­sät­ze – Ost und West, Neu und Alt – sind welt­weit wohl ein­ma­lig.
In der Expat-Com­mu­ni­ty sind alle Län­der ver­tre­ten, vie­le haben Kin­der im Alter unse­rer Kin­der und so lernt man stän­dig inter­es­san­te Leu­te mit allen mög­li­chen Hin­ter­grün­den ken­nen. Wir haben auch eine enge Freund­schaft zu den Groß­el­tern eines chi­ne­si­schen Kin­der­gar­ten­freun­des von Emil auf­ge­baut und dabei ein typisch chi­ne­si­sches Fami­li­en­mo­dell ken­nen­ge­lernt: die Eltern sind mit der Kar­rie­re beschäf­tig, die Groß­el­tern erzie­hen das Kind. Dar­in liegt wohl auch einer der Grün­de, war­um Freund­schaf­ten mit Chi­ne­sen so sel­ten sind: die haben im akti­ven Alter kei­ne Zeit für so etwas.
Wann immer die Fra­ge auf­taucht, ob es nicht an der Zeit wäre nach­hau­se zurück­zu­keh­ren, pas­siert wie­der etwas Über­ra­schen­des. Zuletzt wur­de ich von einem Frem­den ange­spro­chen, der sich als Film­re­gis­seur vor­stell­te. Am nächs­ten Mor­gen spiel­te ich die Haupt­rol­le in einem chi­ne­si­schen Wes­tern: Far East­wood (sie­he unten). Vor ein paar Wochen war Pre­mie­re in einem Pekin­ger Kino. Mit ein biss­chen Glück kommt der Film sogar nach Las Vegas in den inter­na­tio­na­len Wett­be­werb. Im Moment sieht es also ganz danach aus, dass wir noch biss­chen hier blei­ben. Dann wird im Som­mer auch unser drit­tes Kind in Peking zur Welt kommen.

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