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Sonntag, 01. September 2019

Wer seit drei Jahren hier ist, muss hierbleiben dürfen!

Zuletzt geändert am 23. Oktober 2022
Es ist uns nicht gelungen, dem jungen Nawid ein würdiges Leben in der Sicherheit unseres Heimatlandes zu ermöglichen. Was wir jetzt tun? Weiterkämpfen!

Nawid 019 Kopie

Im August hat sich Nawid von uns ver­ab­schie­det. Hier, in Öster­reich, konn­te er nicht blei­ben, weil ihn unser Rechts­staat nach Afgha­ni­stan schi­cken woll­te. Dort woll­te er nicht hin, weil er – mit vie­len guten Grün­den – um sein Leben fürch­tet. So hat er sich nach mehr als 1.000 schö­nen und schwe­ren Tagen in Öster­reich ver­zwei­felt und ver­ängs­tigt wie­der auf den Weg gemacht. Und wir, sei­ne gar nicht untä­ti­gen Freun­din­nen und Freun­de in Öster­reich, haben das Nach­se­hen. Wir haben ver­sagt. Es ist uns nicht gelun­gen, dem jun­gen Nawid ein wür­di­ges Leben in der Sicher­heit unse­res Hei­mat­lan­des zu ermöglichen.

Das tut, ers­tens, weh; Nawid ist mir über die Jah­re sehr ans Herz gewachsen.

Es ist, zwei­tens, ein wirk­lich beschä­men­des Gefühl, weil sich ein­mal mehr zeigt, dass die dün­ne Decke unse­rer Zivi­li­sa­ti­on noch dün­ner ist als befürchtet.

Und oben­drein macht es natür­lich wütend! Dass so vie­le – wie Nawid – in die­sen Wochen und Mona­ten unser Land ver­las­sen müs­sen, ist näm­lich kei­ne Natur­ka­ta­stro­phe, son­dern das Pro­dukt von zyni­scher Poli­tik, sys­te­mi­scher Feig­heit und schlich­ter Empathielosigkeit.

Damit will ich mich nicht abfin­den! Ich habe in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auch im Rah­men mei­ner Arbeit, beim Sam­meln von Lebens­ge­schich­ten, vie­le neue Men­schen ken­nen­ge­lernt, vie­le Frau­en, Män­ner und Kin­der, die mein Leben eben­so berei­chern wie vie­le, die ich schon lan­ge ken­ne. Die­se Men­schen (und ihre Geschich­ten) las­sen mich mit aller gebo­te­nen Vor­sicht zu dem Schluss kom­men, dass wir mit­ein­an­der stark genug sind, um Schritt für Schritt an unser Ziel – ein wür­de­vol­les Leben für alle – zu kommen.

Ein klei­ner ers­ter Schritt: Wir sor­gen dafür, dass zumin­dest jene Men­schen, die seit über drei Jah­ren als Asyl­wer­ben­de bei uns sind, ein Auf­ent­halts­recht in die­sem Land bekom­men! Punkt!

Wel­che Men­schen das sind, wie die­se Men­schen gelebt haben, bevor sie nach Öster­reich gekom­men sind, was sie hier bei und jetzt mit uns erle­ben, wie sie sich eine Zukunft in Wür­de und Sicher­heit vor­stel­len, ist in Nawids und über 400 ande­ren Lebens­ge­schich­ten nach­zu­le­sen, die wir im Blink­licht Media Lab in den Büchern WIR. HIER UND JETZT I + II publi­ziert haben.

An zwei Diens­ta­gen des September
// 10.9. und 24.9.2019 jeweils um 19.00 Uhr //

wer­den wir des­halb mit Freun­den und Freun­din­nen aus die­sen Geschich­ten vor­le­sen und aus der For­de­rung nach einem Auf­ent­halts­recht die Kam­pa­gne #hier­blei­be­recht machen, die in jedem Bun­des­land mit Lesun­gen, Work­shops, Pla­kat­ak­tio­nen etc. aktiv wird.

Zu jedem die­ser zwei Sep­tem­ber-Ter­mi­ne bit­ten wir etwa zwei Dut­zend Men­schen in unser klei­nes Blink­licht Media Lab (1010 Wien, Fischer­stie­ge 1–7). Men­schen, die neu­gie­rig und wil­lig sind, sich in die­sem Kon­text mit uns zu enga­gie­ren. Die ihren Namen in den Dienst der Sache stel­len, ihre Talen­te, ihre Fan­ta­sie, ihre Arbeits­kraft ein­brin­gen, die sich ver­net­zen und wirk­sam wer­den wollen.

WIR müs­sen HIER UND JETZT han­deln. Denn für Nawid ist selbst das schon zu spät.

Ernst Schmie­de­rer, im August 2019

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Bild: Mar­co Büchl / Blinklicht

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