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Montag, 02. Januar 2023

Ich hatte ein gutes Leben, schreibt Mina

Warum es immer noch und immer wieder wichtig ist, sich für die Geschichten der anderen zu interessieren.
Zuletzt geändert am 4. Mai 2023

Ich hei­ße Mina. Gebo­ren bin ich in der Ukrai­ne. Ich bin wegen dem Krieg nach Wien gekom­men. Ich hat­te ein gutes Leben vor dem Krieg. 

Ich bin in einem Stall am Land gebo­ren, wel­ches ich mein Leben lang ver­mis­sen wer­de. Obwohl ich dort nicht leben woll­te, weil dort die Lebens­um­stän­de und Mög­lich­kei­ten nicht die bes­ten sind, woll­te ich dort blei­ben; obwohl ich dort nie woh­nen wollte. 

Ich bin froh und dank­bar, dass ich dort gebo­ren bin und gewohnt habe, aber blei­ben woll­te ich dort nicht. Ich hat­te in mei­nem Zuhau­se viel Frei­heit, obwohl ich sehr ein­ge­schränkt im Leben war. Mit dem Umzug in ein ande­res Land haben wir vie­le Pro­ble­me mitgenommen. 

Das größ­te Pro­blem ist die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit ande­ren Men­schen. Ich habe eine sehr gro­ße Angst vor Bekannt­schaf­ten oder Gesprä­chen mit Fremden.Wenn man die Spra­che nicht kann, in mei­nem Fall ist es deutsch, hat man es sehr schwer. 

Ich habe hier kei­ne Freun­de mit denen ich reden oder etwas unter­neh­men kann, weil alle mei­ne Freun­de in der Ukrai­ne geblie­ben sind. Außer­dem habe ich noch ein Pro­blem: obwohl ich mir hier kein Leben vor­stel­len kann, ver­ste­he ich, dass eine Rück­kehr unmög­lich ist. 

Für mich ist es auch so schwer, weil mein Zuhau­se das wich­tigs­te in mei­nem Leben ist. Es ist das, was mich zu der gemacht hat, die ich bin. Dort sind mei­ne Freunde. 

Mei­ne Pro­ble­me und die in mei­nem Ort hier wir­ken im Gegen­satz zu den Orten an der rus­si­schen Gren­ze sehr klein. Trotz­dem bin ich trau­rig dar­über, dass mein Leben sich so dras­tisch geän­dert hat und ich von einem auf den ande­ren Tag weg­fah­ren musste. 

Der Ort hier ist sehr groß und unbe­kannt, trotz­dem gefällt es mir hier. Ich wün­sche nie­man­den das Gefühl, vor einem Krieg weg­lau­fen zu müs­sen. Dazu kommt, dass hier vie­le die geflüch­te­ten Men­schen ver­ur­tei­len. Die Ein­hei­mi­schen hier wol­len kei­ne Flücht­lin­ge, weil die­se Unter­stüt­zung vom Staat bekom­men, sei es Geld, eine kos­ten­lo­se Woh­nung oder Klei­dung. Mir ist das sehr unan­ge­nehm, und ich kann es nicht ver­ste­hen. Ich bin am Leben, aber ich weiß nicht, wie ich mich füh­len soll. Ich füh­le mich in mei­nen Gedan­ken verloren. 

Ukraine Mina Schuelerin

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