0

WIR IN SALZBURG. Bands I + II

Erscheinungsdatum:

 44,00

Den Gedan­ken, dass die Rei­se unse­res Lebens auf zwei inter­agie­ren­den Fak­to­ren basiert, hat uns der gro­ße Sozio­lo­ge Zyg­munt Bau­man hin­ter­las­sen: dem Schick­sal einer­seits und den von ihm ermög­lich­ten rea­lis­ti­schen Optio­nen ande­rer­seits. Die­ses „Set“, sag­te er, lässt sich nicht über­sprin­gen. „Aber ver­schie­de­ne Leu­te wer­den eine unter­schied­li­che Wahl tref­fen, und das ist eine Fra­ge des Cha­rak­ters. Des­halb hat man zur sel­ben Zeit Anlass zu Pes­si­mis­mus und Opti­mis­mus. Pes­si­mis­mus, weil es unüber­wind­ba­re Gren­zen der Mög­lich­kei­ten gibt, die einem offen­ste­hen. (…) Opti­mis­mus, weil man, im Unter­schied zum Schick­sal, an sei­nem Cha­rak­ter arbei­ten kann.“*

Wie prä­zi­se Bau­man damit den Lauf des Lebens seziert, zei­gen auch die Tex­te der 376 jun­gen Men­schen, die in die­sen bei­den Bän­den nun gedruckt vor­lie­gen. Schick­sal all­über­all. Aber dann eben Mög­lich­kei­ten zuhauf, Chan­cen. Und Hür­den. Unge­rech­tig­kei­ten. Ungleich­hei­ten. Die gan­ze Bandbreite.

„Das ers­te Mal auf Ski­ern stand ich mit 2 Jah­ren“, berich­tet der Gym­na­si­ast Mar­cus: „Seit­dem nut­ze ich jeden frei­en Tag im Win­ter, um die­sen Sport aus­zu­üben. Ich lie­be ein­fach alles dar­an.“ Wäh­rend in der­sel­ben Salz­bur­ger Schu­le – viel­leicht gar am Tisch neben Mar­cus, beim Schrei­ben womög­lich Ell­bo­gen an Ell­bo­gen – Mum­ta­he­na sich dar­an erin­nert, „ein paar Mona­te in einem christ­li­chen Kin­der­gar­ten, Kir­che und Zeug, all inclu­si­ve“ ver­bracht zu haben: „An sich klingt das nicht son­der­lich auf­re­gend, aber wir sind (sehr) gläu­bi­ge Muslime.“

Jede die­ser Geschich­ten gewährt also Ein­blick in ein Leben. In Sum­me erzäh­len die­se Geschich­ten aber auch von den Mög­lich­kei­ten des Zusam­men­le­bens, vom aktu­el­len Stand des gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halts, auch von Schwach­stel­len, die schnell Bruch­stel­len wer­den kön­nen. „War­um kannst du so gut Deutsch“, wird die 15-jäh­ri­ge Sarah oft gefragt, „war­um schaust du nicht aus wie ein Aus­län­der?“ Sarah, die mit die­sen zwei Sät­zen nicht nur aus ihrem Leben, son­dern eben auch über das Leben in Salz­burg erzählt, fragt sich in sol­chen Momen­ten eher rat­los: „Wie schaut denn so ein ‚Aus­län­der‘ aus?“

Inso­fern die­se Text­samm­lung unse­re Gegen­wart doku­men­tiert, hält sie natür­lich auch auf sol­che Fra­gen ange­mes­sen viel­fäl­ti­ge Ant­wor­ten bereit. In die­sem Sinn mei­ne Emp­feh­lung: Lesen! Denn auch Lesen ist Arbeit am Charakter.

Die Schreib-Work­shops des Blink­licht Media Lab wer­den seit 2011 in Schu­len (mitt­ler­wei­le in fast allen Typen) sowie in zahl­rei­chen ande­ren Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen (anfangs vor allem in Pro­duk­ti­ons­schu­len, seit eini­ger Zeit auch etwa in Volks­hoch­schu­len und im Jugend­col­lege der Stadt Wien) ange­bo­ten. Jahr für Jahr ent­ste­hen dabei im Schnitt rund 500 BERICH­TE AUS DEM NEU­EN OE. In die­ser Rei­he sind (Stand 2018) elf Bücher ent­stan­den, alle­samt erschie­nen in der edi­ti­on IMPORT/EXPORT.

Aus: Wovon zu berich­ten ist: Leben. Schick­sal. Mög­lich­kei­ten. Eine Ein­füh­rung von Ernst Schmiederer

Teilen Sie diesen Beitrag
© 2024 blinklicht media lab
blinklicht medien rat & tat gmbh
Heinestraße 34/1b
1020 Wien
UID: ATU 62892007
FN: 283345i
usercartmagnifiermenu-circlechevron-down-circle
linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram