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Mit Schlagobers gehts auch

Dhelia Schmid aus Caen in der Normandie arbeitet für die Caritas in Wien.

Schauen Sie meinen Sohn an, sieben Wochen jung. So helle Haut wie ein Österreicher, perfekt integriert sozusagen. Ich bin neugierig, wie die Menschen auf uns reagieren werden. Schon bisher wußten sie nicht, woran sie sind: Wenn Sie die Frau Schmid suchen und dann mich finden, eine Frau mit Wurzeln in Madagaskar, sind sie überrascht, weil ich dunkelhäutig bin. Jetzt das helle Kind dazu. Meine Vierjährige hat es schwer. Im Bus wird sie angestarrt. Besonders von älteren Menschen. Sie lächeln nie, sie sind streng. Das führt dazu, dass man nicht heimisch wird. Ich fühle mich wie eine Touristin.

Wissen Sie was meiner Cousine in Kärnten passiert ist? Ihre Eltern waren aus Madagaskar zu Besuch. Der Vater, ein 70jähriger Herr, saß im Park. Zwei Polizisten fragten, was er hier mache. Er musste sie zur Tochter führen. Dort angekommen, haben sie ihre Wohnung durchsucht. Einfach so.

Ich bin froh, dass ich diese Anstellung gefunden habe. Davor habe ich für eine französische Hotelkette gearbeitet. Die Österreicher dort wollten aber kein Französisch sprechen. Alles was ihnen fremd war, war schlecht. Ich habe zwar Wirtschaft studiert. Aber da habe ich mir geschworen, nur mehr mit weltoffenen Menschen zu arbeiten, auch wenn das der Karriere nicht förderlich sein sollte. So bin ich zur Caritas gekommen. Die Kollegen sind total nett. Jüngere eben, die sind offener. Die Arbeit macht Spaß, weil ich etwas für Menschen tun kann, die es schwerer haben als ich. Schwarzafrikaner müssen ja mit dem Missverständnis leben, Drogendealer zu sein.

In ein paar Monaten möchte ich gern wieder arbeiten. Ich habe am Magistrat gefragt, ob mein Sohn den Kindergarten besuchen kann, in den meine Tochter geht. Da haben sie mich schief angeschaut. Bleiben Sie doch zuhause! Wenn Sie Ihr Kind weggeben, wird es nicht sprechen lernen! Bitteschön, was soll ein Kind zuhause machen? Mit der Mutter fernsehen? In Frankreich arbeiten Frauen acht Wochen nach der Entbindung wieder. Und sind glücklich.

Mein Mann ist Österreicher. Als ich ihn kennengelernt habe, wußte ich nichts über Österreich. Wir haben geheiratet. Irgendwann habe ich es nicht mehr ausgehalten hier. Die Sprache so hart wie die Menschen. Wenn ich mich beim Bäcker nicht schnell entscheiden konnte, weil ich die Sachen nicht kannte, sagten die Verkäuferinnen mit schneidendem Ton: Bitteschön! Ich wollte weg. Wir sind nach Südfrankreich gezogen, ins Licht, ans Meer. Dort hat es mein Mann nicht ausgehalten. Die Menschen so neugierig, im Supermarkt haben sie ihn angesprochen. Er braucht Distanz.
Jetzt sind wir wieder hier. Ich habe gesehen, dass in Frankreich nicht alles besser ist. Und zum Kochen nehme ich eben keine Crème fraiche mehr, weil die hier anders ist. Mit Schlagobers gelingen die Gerichte fast wie früher.

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ES schreibt. Hier über Ausländer. Also auch über Österreicher im Ausland.

es@ernstschmiederer.com


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