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Sehnsucht nach den Bergen

Florian Grassl aus Strasshof pendelt zwischen München und Jakarta.

Aufgewachsen bin ich in Strasshof an der Nordbahn, bei Gänserndorf. Früher musste ich erklären, wo ich herkomme. Aber seit Natascha Kampusch in Strasshof ihrem Entführer entwischt ist, ist diese kleine Ortschaft ja weltberühmt.

Mittlerweile lebe ich in München. Zumindest habe ich da eine Wohnung, in der meine Sachen stehen. Mehr als die Hälfte meiner Zeit verbringe ich aber auf Reisen – überwiegend in Asien, ein bisschen in Europa. Ich reise projektbezogen, suche mir also in dem Sinn kein Reiseziel aus. Trotzdem muss ich sagen, dass Jakarta eine besondere Herausforderung ist: eine 10-Millionen-Stadt, in der es keinen öffentlichen Verkehr und dafür unfassbare Umweltverschmutzung gibt, zehrt an den Kräften. Man arbeitet zwar sechs Tage die Woche zehn bis zwölf Stunden täglich. Weil man sich wegen der Luftverschmutzung aber auch am Wochenende In-Doors aufhält, irgendwo in einer Shopping Mall, wird die Sehnsucht nach den Bergen, nach der Natur manchmal übermächtig.

Der Job in Jakarta ist eine Herausforderung. In Indonesien wurden neue Mobilfunklizenzen vergeben. Einer der Mobilfunkbetreiber hat nun von unserer Firma, Siemens Networks, die Betriebsabteilung aufbauen lassen. Als Produktmanager bin ich an der Schnittstelle zwischen Technik und Business hart gefordert. Wir haben eine dreistellige Anzahl von lokalen Ingenieuren, die nach unseren Plänen arbeiten. Daraus ergibt sich einerseits eine sehr komplexe Managementaufgabe.

Eigentlich komme ich aber von der technischen Seite in dieses Geschäft. Ich habe an der TU Wien und der „University of Illinois“ in Urbana-Champaign studiert und war für Ericsson in Stockholm noch im technischen Bereich dieser Branche tätig. In Wien habe ich bei Hutchison im Controlling gearbeitet. Jetzt, bei Siemens Networks, kommen alle drei Ebenen dieses Geschäfts zusammen, die technische, die wirtschaftliche und die juristische. Und das liegt mir sehr.

Im Grunde bin ich kein Technikfreak. Zwar hat mich das Telefon als Kind schon fasziniert. Aber eben deshalb, weil ich bald verstanden habe, dass nicht jedes Gerät mit jedem anderen per Kabel verbunden ist. Ich fand spannend, dass es da ein System gibt; heute weiss ich im Detail, wie das funktioniert. Aber mein Handy verwende ich trotzdem so wie andere Menschen auch: ich telefoniere, benutze das Telefonbuch, die Weckfunktion, ausserdem die Weltzeituhr. Aber von dem Firlefanz rundherum müsssen mich die Anbieter erst noch überzeugen.

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ES schreibt. Hier über Ausländer. Also auch über Österreicher im Ausland.

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